
Auf der Jagd nach dem Silverrudder#
Als der September 2025 schließlich kam, hatte ich diesen Moment schon jahrelang vor Augen: einmal die dänische Insel Fyn allein zu umrunden – bei der legendären Silverrudder Regatta. Auf den ersten Blick klingt es einfach: 134 Seemeilen um eine Insel, nonstop, alleine. Doch wer segelt, weiß, was das bedeutet – mindestens dreißig Stunden auf See mit Wind und Strömung, angewiesen auf die eigene Ausdauer.
Ich hatte schon mehrfach versucht mich für das Silverrudder anzumelden, bisher ohne Erfolg. Rund 400 Skipper möchten jedes Jahr dabei sein, und die Plätze sind binnen Minuten vergeben. Diesmal jedoch, im März, hatte ich Glück – endlich ein Platz.
Die Freude wich bald Zweifeln. Werde ich das schaffen? Ist Lucy, meine Contessa 32 von 1979, dem gewachsen? Bei der kleineren „Double Rundt“ im Sommer Einhand zu starten war eine gute Vorbereitung, und Gespräche mit erfahrenen Silverrudder-Teilnehmern halfen enorm. Das Wichtigste aber war, mir klare Grenzen zu setzen – vorab zu bestimmen, wie lange ich ohne Pause segeln würde, bevor Müdigkeit oder Risiko überhandnehmen.
Zwei Tage vor dem Start erreichte ich Svendborg nach einer frischen, böigen Überfahrt. Es ist ein kaum zu beschreibendes Gefühl, in einen Hafen einzulaufen, der ganz von Regattayachten erfüllt ist – elegante Linien, gespannte Erwartung. Freiwillige winkten mich herein, wiesen mir mit freundlichem Lächeln einen Liegeplatz zu. Noch waren nicht alle 427 Boote eingetroffen, doch der Hafen summte bereits von Gesprächen und letzten Vorbereitungen.
Das Schönste an dieser Regatta ist der Geist der Gemeinschaft. Hilfe ist nie weit. Ich hörte sogar, dass die Regattaleitung einmal Schlepphilfe für festgekommene Boote auf der anderen Inselseite organisiert hat. Diese Offenheit, diese ruhige Freundlichkeit – sie nimmt Nervosität und erinnert daran: Wir stehen im Wettbewerb. Aber noch mehr segeln wir miteinander.
In meiner Klasse „Medium“ starten Boote zwischen 30 und 35 Fuß. Viele davon sind moderne Regattamaschinen. Meine Lucy ist keine. Doch die Vorhersage versprach 15 bis 20 Knoten Wind – ideale Bedingungen für eine Contessa 32. Ich war vorsichtig optimistisch.
Morgens legte ich mich mit Lucy ans Ende des Feldes. Der Svendborgsund ist eng, tückisch flach und voller Fallen. Trotzdem verlief der Start ruhig. Böen vom Storebælt fegten über die Segel, testeten Material und Nerven. Ich sah Sonnenschüsse, hörte Spinnaker knallen und sah Leinen im Wasser – und blieb auf Kurs, stolz auf meine kleine, treue Lucy.
Als die Storebælt-Brücke gegen Nachmittag in Sicht kam, zeichnete sie sich dunkel gegen den Himmel ab. Ich zögerte, den Code Zero zu setzen. Etwas an diesem dunklen grauen Bauwerk ließ mich innehalten. Platz genug, natürlich. Aber mein Instinkt sagte Nein – also blieb das Segel unten.
Am Abend, entlang der Nordostküste Fyns, fiel das Licht weich über das Wasser. Ich ging höher an den Wind, das Boot glitt ruhig durch das Wasser. Als die Dunkelheit kam, kreuzte ich nach Westen, Richtung Middelfart. Vor der alten Lillebælt-Brücke begann das Spiel von Wind und Strömung. Zwei Knoten Gegenstrom, kaum ein Hauch Wind – als hätte jemand Lucy am Heck gepackt. Ich musste lachen, halb ungläubig, halb resigniert.
Vier Stunden kämpfte ich mich um eine halbe Seemeile nach vorn, nur um wieder zurückzutreiben und den Brückenpfeilern auszuweichen. Schließlich ließ ich den Anker fallen. Nach zwei Stunden flaute der Strom ab, ein erstes Lüftchen kam. Ich setzte Segel, und langsam füllten sie sich. Sonne, 20 Knoten, Fahrt durchs Wasser – Lucy lebte auf. Ich trimmte, kreuzte, spürte, wie die Freude zurückkehrte. Die ersten 24 Stunden lagen hinter mir.
Südlich von Fyn verdüsterte sich der Himmel. Böiger Wind, Nieselregen, graue See. Der Kurs war günstig für den Spinnaker – doch ich entschied mich dagegen. Das Fahrwasser war eng, Boote tauchten aus den Schleiern des Regens auf und verschwanden wieder. Gespenstisch ruhig – oder vielleicht einfach friedlich.
Schließlich öffnete sich der Svendborgsund vor mir, vertraut und doch fordernd. Der Strom lief nämlich mit zwei Knoten gegenan. Mein Körper müde, die Arme schwer. Der Gedanke, noch eine Brücke unter diesen Bedingungen zu nehmen, machte die Entscheidung leichter. Ich hatte auch mein selbst gesetztes Zeitlimit erreicht. Ich barg die Segel und motorte die letzten Meilen in den Hafen.
Als ich festmachte, spürte ich die Erschöpfung – und darunter leise Zufriedenheit. Ja, ich war nicht über die Ziellinie gekommen. Aber ich war weit gesegelt, hatte gelernt, Grenzen neu zu begreifen, und vielleicht mehr über mich selbst als über Wind und Wasser gelernt. Diese Regatta war vorbei – das Abenteuer geht weiter.
Route#
Vergleich Comfortina 32 vs Contessa 32#
Zeiten#


Contessa 32 Lucy#
| Ort | Time | Leg time | Leg SOG | Leg Top speed | Distance |
|---|---|---|---|---|---|
| Thurø | 11:53:30 | 1h 8m 36s | 3,9 | 6,6 | 4,1 |
| Knudshøved | 15:16:18 | 3h 7m 42s | 5,8 | 7,5 | 18 |
| Fynshøved | 19:22:22 | 4h 6m 3s | 5,3 | 6,8 | 21,9 |
| Æbelø | 22:41:00 | 3h 18m 37s | 4,8 | 5,9 | 16,0 |
| Strib | 02:43:51 | 4h 2m 50s | 4,4 | 6,3 | 17,7 |
| Ny Lillebæltsbro | 03:44:36 | 1h 0m 45s | 3,2 | 4,4 | 3,3 |
| Hindsgavl | 10:40:42 | 6h 56m 5s | 0,9 | 4,0 | 6,4 |
| Helnæs | 17:04:12 | 6h 23m 29s | 4,9 | 7,9 | 31,1 |
| Svelmø | 20:03:44 | 2h 59m 32s | 4,8 | 7,3 | 14,4 |
| Finish | DNF | DNF | DNF | DNF | DNF |
Comfortina 32 Livly#
| Ort | Time | Leg time | Leg SOG | Leg Top speed | Distance |
|---|---|---|---|---|---|
| Thurø | 12:08:36 | 0h 53m 30s | 4,6 | 8,5 | 4,4 |
| Knudshøved | 14:22:32 | 2h 29m 2s | 7,2 | 8,4 | 17,8 |
| Fynshøved | 17:23:46 | 3h 1m 14s | 7,1 | 8,4 | 21,6 |
| Æbelø | 20:04:00 | 2h 40m 13s | 5,9 | 7,0 | 15,9 |
| Strib | 23:43:30 | 3h 39m 30s | 5,3 | 6,6 | 19,2 |
| Ny Lillebæltsbro | 00:12:55 | 0h 29m 24s | 5,4 | 6,3 | 2,7 |
| Hindsgavl | 00:48:28 | 0h 35m 33s | 4,4 | 6,3 | 2,6 |
| Helnæs | 04:03:14 | 7h 42m 25s | 4,6 | 6,1 | 35,5 |
| Svelmø | 11:43:01 | 3h 12m 6s | 5,0 | 7,2 | 16,1 |
| Finish | 14:17:04 | 2h 24m 3s | 4,4 | 7,2 | 11,3 |
Boots Eigenschaften#
Comfortina 32 vs Contessa 32
| Merkmal | Comfortina 32 | Contessa 32 |
|---|---|---|
| Designer | Ingemar Boding | David Sadler |
| Werft / Hersteller | Comfortbåtar AB | Rogers (UK) / Taylor (Canada) |
| Baujahre / Produktionszeitraum | 1982–1998 | ab 1971 (mehrere Jahre) |
| Anzahl gebaut | 860 | ca. 700 |
| Rumpf‑ / Kieltyp | Fin mit Spatenruder | Fin mit Ruder an Skeg |
| Rig / Takelung | Fractional Sloop | Masthead Sloop |
| LOA (Länge über alles) [m] | 9,50 | 9,75 |
| LWL (Wasserlinienlänge) [m] | 7,49 | 7,32 |
| Breite (Beam) [m] | 3,27 | 2,90 |
| Tiefgang (max) [m] | 1,70 | 1,68 |
| Verdrängung (Displacement) [kg] | 4491 | 4309 |
| Ballast [kg] | 1846 | 2041 |
| Segelfläche (gesamt) [m²] | 45,06 | 40,23 |
| I (Masthöhe Vorstag) [m] | 11,43 | 12,41 |
| J (Basis Vorstag) [m] | 3,55 | 3,87 |
| P (Hauptmast Länge) [m] | 12,60 | 10,67 |
| E (Großsegel Fußlänge) [m] | 3,95 | 3,05 |
| Segelfläche Vorsegel (100 % J) [m²] | 20,29 | 24,01 |
| Segelfläche Großsegel [m²] | 24,89 | 16,26 |
| S.A. / Displ. (Verhältnis) | 16,89 | 15,50 |
| Ballast / Displ. (Verhältnis) [%] | 41,11 | 47,37 |
| Displ. / Länge (D/L) | 297,61 | 306,79 |
| Hull Speed (Rumpfgeschw.) [kn] | 6,64 | 6,56 |
| Motor / Leistung (ursprünglich) | Volvo Penta 2002 / 18 PS | Diesel 24 PS |
| Tank (Kraftstoff) [L] | 57 | 35 |
| Wassertank [L] | 76 | 60 |

