Noch träume ich jeden Morgen vom Segeln und brauche beim Aufwachen eine Weile um zu realisieren das ich nicht an Bord bin. Drei Monate lang war ich es, Tag und Nacht. Wieder zuhause ankommen, aber noch nicht im Alltag. Wie auch immer der werden wird… erstmal “neu beginnen”. Meine Erlebnisse und Begegnungen habe ich noch nicht verarbeitet, hier einiges von dem, was für mich besonders war.

Extremer Sommer#
Der Sommer 2026 geht als einer der extremsten und verheerendsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die europäische Klimageschichte ein. Selbst im Süden Englands und in der Bretagne habe ich davon einen Eindruck bekommen, auch wenn es dort nicht so heiss wie andernorts war. In England und Frankreich starben fast 8600 Menschen an der Hitze, in Deutschland rund 14.000. Die höchsten Temperaturen gab es in Südeuropa, neben anderen Ländern waren Spanien und Frankreich von grösseren Bränden betoffen.
Die Klimakrise und deren aktuelle Auswirkungen gehört zu den Themen die ich in meiner Auszeit, mehr als sonst, zu ignorieren versucht habe. Für mich war es ein “endloser Sommer”, bestes Wetter mit hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen und ohne Nebel. Im Englischen Kanal war das Wetter ruhig und dank des Hochs über Frankreich auch immer mal wieder Wind auch von Nord oder Ost.
Segeln in der Nacht#
In die Nacht zu segeln ist wunderschön! Im Idealfall sind alle Vorbereitungen tagsüber getroffen, der Passage Plan berücksichtigt alles Wichtige und die Wetter Vorhersage ist gut. Dann geht die Sonne unter, es kommen immer mehr Sterne zum Vorschein, vielleicht geht auch der Mond auf. Im Morgenlicht ist die neue Bucht oder der neue Hafen gut zu erkennen und bald geht es in die warme Koje.
Ich hatte die Nacht in der Worbarrow Bay geankert und bin ich morgens in die nahegelegene Lulworth Cove gefahren. Nach einigen weiteren Stunden Schlaf habe ich noch etwas gegessen und die nächtliche Fahrt vorbereitet. Nach Ankerauf galt es mit den starken Strömungen bei Selsey Bill klarzukommen. Ich hatte mich bei der Planung für 7 nm Abstand entschieden, weil ich ohnehin quer über die Lyme Bay nach Dartmouth wollte.
Die Nacht war dank Mond sehr hell, viele Stunden ging es entspannt und geräuschlos durch die Nacht. Der Windpilot hat Lucy gesteuert und ich hatte Zeit die Gedanken schweifen zu lassen, einige kurze Runden Schlaf (mit Wecker) waren sehr erfrischend. Zwischendurch einige Kapitel aus dem Hörbuch zur britischen Gesellschaft und Kultur (“My dear Britain”, von Annette Dittert) zu hören war eine schöne Ergänzung zu den Erfahrungen die ich in den letzten Wochen gemacht hatte. Vor dem Sonnenaufgang kam mir ein Delphine sehr nahe und eine ganze Gruppe hat mich lange begleitet.
Stimmt mein Kurs, was liegt vor mir im Dunkeln? Wenige Leuchtfeuer sind zu sehen, erst nach und nach sind mehr Details zu erkennen und dann auch Tonnen an ihrer Kennung zu identifizieren. Die Orientierung aus grosser Distanz ist erstmal grob, bei weiterer Annäherung treten nach Stunden immer mehr Details hervor. Der Radius der Wahrnehmung schrumpft zusammen, angestrengt in die Dunkelheit zu starren ist vergeblich. Orientierung bieten wenige ferne Lichter, um das Boot herum ist von der See im Schein der eigenen Positionslichter nur wenig zu sehen. Es fehlt gänzlich die Wahrnehmung von Tiefe, alles ist schwarz oder im besten Fall silbrig durch den Mond beleuchtet. Irgendwann kehren mit der Sonne die Farben zurück, die Umgebung gewinnt Konturen und Entfernungen werden wieder erkennbar. Die Kälte in den Stunden vor dem Morgengrauen weicht den warmen Strahlen der Sonne, wie schön!
Wie großartig, frühmorgens in die Mündung des Flusses Dart einzulaufen, das Dartmouth Castle zu sehen und nach einer Biegung die kleine Stadt Dartmouth zu erblicken. Und einen freien Platz am Ponton des Yachtclubs zu bekommen, dann schnell festmachen und in die Koje? Nein, ich sehe jemandem mit Kaffee und will auch einen! Daraus wird ein Full English Breakfast mit zwei grossen Tassen Kaffee. So gestärkt dann in die Koje fallen und einige Stunden schlafen, bevor es weitergeht.

Delphine#

West Country#

Scillies#

Zahlen#
| Zahl | Beschreibung |
|---|---|
| 5 | Personen waren mit mir unterwegs |
| 90 | Tage war ich an Bord |
| 1950 | Nautische Meilen (3610 km) gesegelt |
| XX | Tage gesegelt |
| XX | Liter Diesel verbrannt |













